Das Kunsthistorische mit Kindern

Ist es zu früh, mit 4-5 jährigen Kindern ins Kunsthistorische Museum oder in eine Bildergalerie gehen? Noch dazu ohne Kinderführung?
Eine Kinderführung ist sicher altersgerecht, aber was, wenn ich als Mutter am Wochenende gerne die Zeit mit meinen Kindern verbringe, ganz allein, ohne weitere pädagogische Personal – als Abwechslung zur hektischen Arbeits- und Kindergartenwoche?
Für diesen Fall gibt es einen guten Weg auch für Eltern, die einfach nur Interesse für Kunst haben und dieses Interesse an ihre Kinder weitergeben möchten, aber keine museumpädagogische Ausbildung haben.
Bei Kinderführungen ist es typisch, dass man in einem Museum nicht alle Bilder betrachtet, sondern nur einige ausgewählten Stücke. Auch die Dauer der Führung ist meistens kürzer als die einer Erwachsenenführung und sie endet oft mit einem kreativen Teil. Davon können Eltern auch viel übernehmen.
Damit die Kinder sich gut konzentrieren können, ist es gut, den Besuch auf ca 45-60 Minuten zu beschränken und diese kurze Besuche dann wiederholen. Im Kunsthistorischen Museum gibt es Jahreskarten für Erwachsene, mit dem man beliebig oft Eintritt hat, so sind auch öftere kurzere Besuche mit den Kindern finanziell tragbar.
Wir machen für jeden Besuch einen Fokus bzw ein Thema aus. Wir schauen uns nicht alle Bilder an – das ist für den meisten Kindergartenkinder langweilig.
Hier sind ein paar mögliche Themen:
– Bilder mit Tieren
– Bilder, wo Kinder drauf sind
– Bilder mit Soldaten oder Kampfszenen
– Bilder wo Lebensmittel zu sehen sind
– Bilder mit Fahrzeugen
– Bilder zur aktuellen Jahreszeit (Winterlandschaften, Herbst, Sommer, Frühling)
– Was machen Familien auf den Bildern?
– Wie sind die Kleider, die die Leute tragen?
– Bilder, wo musiziert wird
– Bilder mit alten Leuten
Je nach Art der Ausstellung können weitere Themen gefunden werden – wichtig ist besonders bei ganz Kleinen, dass diese Themen einen Bezug mit ihrem Alltag haben.
Wir gehen durch die Ausstellungsräume und schauen uns die Bilder an – zuerst nur ganz flüchtig, um zu sehen, ob ein Bild unserem Kriterium entspricht. Wenn ja, stehen wir ein paar Minuten vor dem Bild und versuchen wahrzunehmen, was alles darauf ist, vor allem die Personen und Gegenstände, nach denen wir gerade suchen. Z.B: welches Tier ist zu sehen? Lebendig oder tot? Was macht es? Mit wem? Welche Farbe hat es? Hat das Tier gute Laune oder wie geht es ihm? Wenn das Bild einen Augenblick festhält – was könnte danach kommen? Wie geht die Geschichte weiter? Wie ist die Stimmung des ganzen Bildes? Gibt es etwas, was auch wir kennen? (Z.B. mit einem Hund spazierengehen oder reiten oder dass die Katze im Schoss kuschelt.)
Diese Art von Bildbetrachtung muss gar nicht lange dauern. Es hängt vom Alter, Stimmung und Persönlichkeit des Kindes, wie lange es ihm Spaß macht, bei einem Bild zu verweilen. Oft ist es so, dass die ersten 3-4 Bilder noch längere Aufmerksamkeit (4-5 Minuten) bekommen und dann die Zeit immer kürzer wird. Eltern können mit ein paar Fragen die Wahrnehmung der Kindern unterstützen. Es ist hilfreich für die Kinder zu wissen, worauf sie achten sollen.
Nach ein paar solchen Besuchen ist es meistens merkbar, dass die Kinder immer mehr sehen und auch gerne zur Ruhe kommen und sich in einem Bild vertiefen können.
Einen Besuch im Kunshistorischen können wir zu Hause auch durch Wimmelbücher gut vorbereiten. Kinder, die mit Wimmelbüchern Spass haben, können bei anderen Gemälden und Bildern dieselbe Fähigkeit vom Schauen und Entdecken einsetzen.
War der Museumbesuch inspirierend, kann es vorkommen, dass – genau wie bei Kinderführungen – das Kind auch etwas kreatives zu den Bildern machen möchte: ein Gebäude nachbauen aus Holzbausteine oder Lego, eine Kampfszene mit Playmo nachstellen und durchspielen, Puppenkleidung nähen, die eine Prinzessin auf einem Bild trug oder auch sich verkleiden. Die Fantasie der Kinder ist in dieser Hinsicht grenzenlos und so wird jeder Museumbesuch ganz was Spannendes.
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