Der Fuchs und das Mädchen – ein Film über Freundschaft

Als meine Tochter absolut begeistert von einem Film aus der Schule nach Hause kam und erzählte, dass es um die Freundschaft zwischen einem Mädchen und einem Fuchs ging, musste ich gleich an den kleinen Prinz denken. Weil die Details aber nicht übereinstimmt haben, habe ich einfach die Relilehrerin gefragt, was genau im Unterricht behandelt wurde. Es ist ein wunderschöner französischer Film von Luc Jacquet, die Gattung ist schwer zu definieren. Es ist kein Dokumentarfilm, obwohl wir viel vom Leben im Wald und von den Füchsen dabei lernen und die Naturaufnahmen im Mittelpunkt des Filmes stehen. Wir sehen fast ausschließlich das Mädchen und den Fuchs, so dass man denken könnte, das Mädchen hat überhaupt keine Eltern und ist keine reale Person. Es gibt nur wenig Hinweise darauf, dass es doch eine Familie gibt. Die Erzählerin – das erfährt man erst ganz am Ende – ist das Mädchen als Mama, die ihrem Sohn über ihre eigene Kindheit erzählt.

Das Mädchen genießt eine unglaubliche Freiheit im Wald, sie wohnt dort, geht jeden Tag allein durch die Wiese in die Schule, die recht weit weg ist. Auch im Winter, wenn der Schnee kniehoch ist. Mich als Mutter hat diese Tatsache doch ein bisschen irritiert und gleichzeitig auch gestärkt in meinem Gefühl, meinen Kindern doch mehr Freiheit geben zu sollen (und dürfen). Durch diese Spaziergänge lernt ja das Mädchen weit mehr, als Stadtkinder, die alle möglichen Nachmittagskurse besuchen, natürlich gut begleitet und beschützt von den Eltern.

Das Mädchen lernt auch einen Fuchs kennen – und dieser Prozess ist das eigentliche Thema des Films. Es geht langsam, des Vertrauen des Tieres zu gewinnen. Manchmal wartet sie tagelang auf einem Baumzweig sitzend und der Fuchs kommt gar nicht auf die Wiese. Dann kommt er, aber nur ganz kurz, wird erschreckt und läuft wieder weg. Nachdem aber die beiden sich anfreunden, zeigt der Fuchs dem Mädchen Teile des Waldes, wo es sonst nie hingekommen wäre. Ja, auch verbotene Teile: eine Höhle, die wunderschön, aber auch gefährlich ist. Die Waldidylle wird manchmal von Begegnungen gestört, die gar nicht idyllisch sind und der Stadtmama ganz besondern Angst einjagen: Begegnung mit einem Bär und mit Wölfen. Doch von all diesen Abenteuern entkommt das Mädchen heil und gesund, auch wenn knapp. Und auch diese Teile des Films sind für Kinder ab ca. 7 geeignet – alles ist in einer zurückhaltenden Geschwindigkeit gedreht und mißbraucht die Emotionen nicht.

Die wichtigste Frage, die bei diesem Film thematisiert wird, ist die Freiheit in der Freundschaft. Ein Fuchs ist ein wildes Tier, er lässt sich nicht an der Leine führen, auch wenn das Mädchen es gerne so hätte. Fast stirbt der rote Freund daran, dass das Mädchen diese Grenze nicht akzeptiert. Einen Freund hat man nicht, in der Freundschaft geht es nicht um Besitz, sondern darum, dass man sich gegenseitig einander schenkt – aber nur soviel und solange, wie man es will. Zwingen bringt nichts.

Ich war richtig froh, auf diesen Film hinweisen zu können, als es um die erste richtige Freundschaftskrise meiner Zehnjährigen ging. Wenn die Freundin gehen will, dann muss man sie gehen lassen. Wenn die ganzen Aussöhnungsversuche nicht helfen, dann ist es einfach so hinzunehmen. Weil alles andere keine Freundschaft wäre, sondern Besitzen eines Menschen – und das ist weit nicht so schön, wie Freundschaft aus freier Wille.

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